Velten vom Tierheim Ludwigsburg – ein Labrador auf Umwegen zum Glück

Von der Tierschutzorganisation für Retriever in Not wurde ich in Belgien abgeholt. Die lange Fahrt, die vielen Hunde im Auto, enge Transportkäfige, das hat mir alles ziemlich zugesetzt. Zwei Tage später kam ich mit einem ganz schlimmen Husten in meiner Pflegefamilie an. Fressen wollte ich nicht, Medikamente wollte ich auch nicht schlucken, mich bewegen oder ins Auto steigen konnte ich auch nicht. Mein Pflegeherrchen hat immer ‘Fässle’ zu mir gesagt. Pflegefrauchen hat auf der Couch übernachtet, sie hatte Angst, dass ich von der vielen Husterei ersticke. Die Tierärztin kam ins Haus und hat Antibiotika gespritzt aber nichts hat mir geholfen. Wir haben fast zwei Wochen nicht geschlafen und jede Nacht die Stunden gezählt, bis endlich wieder Morgen war. Die Husterei hat einfach nicht aufgehört. Dann wurde mein Pflegeherrchen sehr krank und zwei Patienten waren zuviel für mein Pflegefrauchen. So wurde ich abgeholt und musste die Pflegestelle wechseln. War dann kurz in der Tierklinik und die haben gesagt, dass es eine besonders schwere Lungenentzündung wäre. Es wurde dann langsam besser und mein Appetit steigerte sich von Tag zu Tag.

Ja, und dann ist es passiert, mein zweites Pflegefrauchen hat mich vom Napf eines anderen Pflegehundes weggerissen und da habe ich ihr in den Arm gebissen. Von der Vorsitzenden und dem Team der Organisation wurde sofort entschieden, dass ich zukünftig die Blumen von unten anschauen soll. Ich wäre eine ‘Arschkrampe’ und würde den anderen Hunden, die noch warten, den Platz wegnehmen und ausserdem viel zuviel Kosten verursachen. Wieder mal so ein Fall, bei dem die Aussichten auf eine einträgliche Vermittlungsgebühr gleich null wäre.

Da aber das Pflegefrauchen an der Situtation auch ein bisschen Mitschuld hatte – ich konnte aber wegen der Kinder nicht mehr bleiben – wollte sie mir noch eine Chance geben und hat mich ins Tierheim Ludwigsburg gebracht. Sie hat sich bestimmt einiges anhören müssen, denn mit Tierheimen möchte die Vorsitzende des Vereins überhaupt nichts zu tun haben. Die Tierheime aber auch nicht mit ihr. Aber letztendlich war das die grosse Glückssträhne für mich.

Ein paar Tage nach meiner Ankunft kam meine Pflegefamilie von meiner ersten Pflegestelle und hat mich besucht und sie sind immer und immer wieder gekommen. Sie haben mir gleich gesagt, dass ich nicht lange im Tierheim bleiben muss. Aber leider wollte mich keiner haben, wegen meines Alters ( 9 J.), der Beißerei, dazu ist meine Hüfte auch nicht mehr die Jüngste. Dann endlich durfte ich übers Wochenende mit ihnen nach Hause. Es war, als wäre das schon immer mein Zuhause gewesen. Beim nächsten Mal durfte ich mehrere Tage bleiben und als wir wieder mal im Tierheim angekommen waren, haben sie es nicht mehr übers Herz gebracht mich dort zu lassen, sind umgedreht und haben mich gleich wieder mitgenommen.

Nach einem langen Umweg (Züchter-Tierheim-Pflegestelle-Pflegestelle-Tierheim) bin ich jetzt ein glücklicher Hund und habe endlich Menschen gefunden, die mich wirklich lieben. Es leben hier noch zwei Labbi Mädchen, Jessie und Astra und wir verstehen uns alle prima. Ich benehme mich vorbildlich, laufe frei und begrüße alle Menschen und Hunde die mir begegnen freundlich und über Besucher freue ich mich ganz besonders.

Ich bedanke mich bei Frau Gericke, dass sie mich aufgenommen hat und dass ich dort gut versorgt wurde, obwohl sie von der anderen Tierschutzorganisation ( RIN) noch nicht mal ein Danke dafür bekommen hat. Seht ihr, die Arschkrampe darf sich nun die Blumen noch eine Weile von oben ansehen, die sind nämlich ganz besonders schön in unserem Garten.

Euer glücklicher Velten

 

Kind wirft gestohlenen Hund in Brunnen

2 jähriger Rüde erleidet einen Schock–Charity für Tiere bittet um Hinweise.

Der zweijährige Pekinesenrüde „Max“ ist mit einem Schock und einer Kehlkopfprellung von Tierschützern von Tierhof Straelen/Charity für Tiere zum Tierarzt gebracht worden. Eine aufmerksame Passantin verständigte die Tierschützer, nachdem ein ein 8-jähriges Mädchen den Hund in den Brunnen auf dem Straelener Marktplatz geworfen hat. Das Tier wurde am selben Tag aus einem Garten gestohlen. Der Vorfall ereignete sich schon am 26.7., doch liegen bis heute mehrer Hinweise vor, dass es sich bei „Max“ nicht um einen Einzelfall handelt.

Wenige Stunden vorher sprach die Tierschützerin Marion W. das Mädchen an, da sie den vollkommen erschöpften Hund an der Leine hinter sich her zerrte. Das Mädchen erläuterte in dem darauf folgenden Gespräch, dass der Rüde aus dem Tierheim Geldern käme und chronische Atemnot hätte. Da die Achtjährige nach hause wollte, schien der Sachverhalt nach einer Aufforderung, das Tier zu schonen, erledigt. Rund drei Stunden später beobachtete Marion W. wie das Kind den Hund in den Brunnen warf und er sich nicht aus eigener Kraft befreien konnte. Sie zog das Tier das nach Luft ringende und geschockte Tier aus dem Wasser. Die behandelnde Tierärztin stellte zudem eine akute Kehlkopfprellung, augenscheinlich durch das Zerren an der Leine, fest. Es stellte sich heraus, dass der Pekinese am selben Tag aus einem eingezäunten Garten in Straelen gestohlen wurde. Auf Nachfrage zeigten die Eltern des Mädchens wenig Verständnis für den Hund und spielten die Situation herab. Schließlich habe man ihr extra eine Leine gekauft, da ihr immer wieder Hunde nachlaufen würden. Dass der Hund gestohlen, und nicht wie behauptet aus dem Tierheim Geldern stammt, schien sie nicht sonderlich zu interessieren. Im Nachhinein meldeten sich mehrere Leute mit Hinweisen auf ähnliche gelagerte Fälle, denen noch weiter nachgegangen werden muss. Gesichert derzeit sind zwei bekannte Fälle von Hundediebstählen, bei denen die Achtjährige gleichermaßen behauptete, die Hunde hießen „Bello“, seien zehn Jahre alt und aus dem Tierheim Geldern. Auf weitere Nachfrage, weshalb sie die Hunde gestohlen hätte, gab sie an, dass ihr Bruder (13) sie unter Gewaltandrohung zu den Taten und den Aussagen zwingen würde. Nachfragen beim Tierheim Geldern ergaben, dass keine Hunde an die Familie des Mädchens vermittelt worden sind. Martina Retthofer, die Betreiberin des Tierschutzhofes in Straelen und Vorsitzende von Charity für Tiere e.V. erstattete heute Anzeige gegen die Eltern des Mädchens wegen Diebstahls und Tierquälerei. Sachverhaltsmeldungen ergingen ebenfalls an das Veterinäramt des Kreises Kleve, das Ordnungs- und Jugendamt der Stadt Straelen.Charity für Tiere e.V. bittet sich beim Tierhof Straelen zu melden, wenn ähnliche Vorkommnisse in der Vergangenheit aufgefallen sind. In diesem Zusammenhang wird grundlegend davor gewarnt, Tiere unbeaufsichtigt, z.B. vor Geschäften zurückzulassen.

Niederrhein Nachrichten vom 01. August 2009:

Straelen. Der Verein Charity für Tiere, der den Straelener Tierhof unterstützt, sucht Straelener Hundehalter oder Zeugen, die in den letzten Wochen den Verlust – und sei er auch nur kurzzeitig gewesen – ihrer Tiere festgestellt haben. Pressesprecher Folko Niebelschütz: "Bei Martina Retthofer, Betreiberin des Tierschutzhofes und Vorsitzende von Charity für Tiere, haben sich verschiedene Leute schon gemeldet, die von Hundediebstählen berichteten". Zuletzt sei ein Pekinese aus einem Garten gestohlen und in einen Brunnen geworden worden. Hinweise an Telefon: 02834/943140

 

Nachstehende Email erreichte uns von RiN:

Hallo Martin

ich weiß zwar nicht warum der Fall Vetlen jetzt auch noch ausgeschlachtet wird, aber bitte setze das noch in den Text rein.
Pflegestelle:
Dann kam es zu dem Beißvorfall:

Ich wollte Velten am Geschirr packen… ganz klar mein Fehler!!! Hätte er 'nur' geschnappt oder mal kurz gezwickt, wäre das "in Ordnung" gewesen (war ja meine eigene Dummheit) …. Er hat aber richtig fest zugebissen, meinen Arm gepackt und gerissen! Wäre ich in dem Moment hingefallen, ich würde nicht mehr hier sitzen und diesen Beitrag schreiben können, Velten wäre mir an die Kehle.

Das ganze ist an einem Sonntag morgen (Muttertag!) vor den Augen meiner entsetzten Kinder und anderen Hunde passiert.

Velten hat nicht mal eben geschnappt, gedroht oder gezwickt. Sowas hab ich alles schon gehabt: Angstschnapper, dominante Fletscher, Hunde, die aus Schmerz heraus mal kneifen.

Velten hat gebissen, er hat nachgepackt und gerissen. In der Notaufnahme im KKH konnte mir der Arzt meinen freigelegten Unterarmknochen, diverse Sehnen und Muskeln benennen… netter Einblick in mein Innenleben.

Ich war danach 4 Tage im Krankenhaus, hatte 2 Wochen den Arm geschient, bin bis jetzt in ärztlicher Behandlung (die noch immer nicht abgeschlossen ist) und war als Selbstständige über 2 Wochen arbeitsunfähig. Geblieben sind mir ein paar häßliche Narben…

…. eventuell bleibende Nervenschäden, schlimme Alpträume meiner Kinder und mir und die Verantwortung. Ich habe das große Glück, einen sehr lieben Partner und den Platz zu haben, um

Velten hier zwei Wochen lang zu separieren (wegen der Kinder) und zu versorgen. Das können nicht viele Pflegestellen leisten. Bei den meisten Pflegestellen müßte so ein Hund verständlicherweise SOFORT weg. Ferner hatte ich das Glück, daß sich dann ein Platz für ihn gefunden hat, wo ich mir sicher sein kann, daß Velten nicht an ahnungslose Familien abgegeben wird.

——————————————————————————–

Kommentar Tierhof Straelen

Aufgrund der uns zugegangenen Email der 1. Vorsitzenden von RiN kommen wir der Bitte nach, die Version der Pflegestelle zu veröffentlichen und kommentieren diese wie folgt:

Die Geschichte von "Velten" haben wir nicht im Kaffeesatz gelesen, sondern sie ist uns so zugesandt worden. Veröffentlicht haben wir die Geschichte genau so wie viele andere Geschichten die "glücklich und zufrieden" enden und vor allem auch deswegen, weil viele Betrachter der Meinung waren, dass "Velten" wahrscheinlich auch über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Nein, ist er nicht! Das freut uns und die Geschichte von "Velten" motiviert vielleicht auch den ein oder anderen dazu, sich mit Geduld und Spucke, Herz und Verstand solcher sogenannten "auffällig gewordenen" Tiere anzunehmen.

Unbestritten ist natürlich die Tatsache, dass "Velten" böse zugebissen hat. Fakt ist aber, dass er sich in seiner Situation nicht aussuchen konnte, dass Kinder dem Beißvorfall beiwohnten und sicherlich: Er ist ein Hund … er kann nicht mit Wattebällchen schmeißen. Er kann auch nichts für das Innenleben eines Armes. Trotzdem war das schon sehr böse, was er getan hat. Wie wir lesen konnten, gab es dafür aber einen Grund. Okay, auch das rechtfertigt nicht sein Verhalten.

Sorry, jedem Verbrecher wird in unserem Staat eine zweite Chance gegeben. Es wird abgewägt, was für und gegen den Angeklagten spricht. Nur das Produkt unserer sogenannten Gesellschaft (der Hund) hat also nicht das Recht auf Resozialisierung???

Wir sehen das anders: Tierschutz fängt mit Tierrecht an. Man sollte immer die Umstände berücksichtigen unter denen es zu so einem Vorfall kommt. Nochmal, wir gehören nicht zu denjenigen, die auf Biegen und Brechen alles entschuldigen. Zum Tierschutz gehört aber eine gehörige Portion Verständnis und auch die Risikobereitschaft "gebissen" zu werden. Wie sollen wir es nennen? Wir nennen es: Berufsrisiko!!! Auch Dachdecker sind schon vom Dach gefallen, sind deshalb Häuser abgerissen worden?

Hier soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir der Pflegestelle von "Velten" großen Respekt zollen! Sie haben sich für eine Lösung stark gemacht und Velten Gott sei Dank im Tierheim Ludwigsburg untergebracht. Das ist nach so einem Vorfall nicht unbedingt selbstverständlich. Hochachtung!!!

In unserem Gästebuch gibt es Eintragungen von Leuten, die anonym schreiben, dass O-Mallei und Holger über die Regenbogenbrücke gegangen sind.

Vor einiger Zeit gab es ein Telefonat mit der 2. Vorsitzenden von RiN, in dem sie schilderte, das O-Mallei in der Pflegestelle nicht leicht zu händeln sei und ob es eine Möglichkeit der Unterbringung auf unserem Tierhof gäbe. Dies mussten wir leider verneinen, da wir wirklich bis unters Dach voll waren.

Danach meldete sich die 1. Vorsitzende des Vereins noch einmal bei uns. In diesem Gespräch erwähnte diese auf die Frage, ob O-Mallei und Holger, wie im Gästebuch steht, über die Regenbogenbrücke gegangen sind, diese seien im Tierheim untergebracht, dort hätten sie bessere Vermittlungschancen.

Kurze Zeit später, wurden wir von jemandem darauf aufmerksam gemacht, das diese beiden Hunde auf der Regenbogenseite von RiN zu finden seien.

Uns ist nicht bekannt, dass es eine Tierschutzeinrichtung mit dem Namen "'Regenbogen" gibt???!!!

Man kann ja nicht alles wissen, aber für unseren runden Kopf ist das alles zu eckig.

An dieser Stelle möchten wir noch einmal klar und deutlich zum Ausdruck bringen: Uns geht es nicht darum, irgendwelche Vereine und deren Arbeit zu schmälern oder durch den Kakao zu ziehen. Jeder vernünftige Tierschutzbeitrag ist wichtig. Keiner von uns kann die Welt retten, sondern nur Beiträge leisten im Rahmen seiner überschaubaren Möglichkeiten.

Die Quintessenz hieraus sollte sein: Weniger ist manchmal mehr!!! oder Klasse statt Masse!!!

Amtstierärztliche Begutachtung eines Hundes:

Labrador „Merten“ (blond)
geb.: ca. 2003
Rüde, kastriert
(Mikrochip-Nr.: 985 120 014 879 583)

am Tierhof Straelen am 06.07.2009 um 16.30 Uhr durch die Unterzeichnerin:
Anwesende: Tierheimleitung Frau Retthofer und Frau Markau sowie Herr Krüger

Herkunft des Hundes:
Retriever in Not e. V., Bad Sassendorf, ehemaliger Zuchtrüde aus Belgien (?), abgegeben in private Pflegestelle in Krefeld (dort gab es Probleme: Hund hat angeblich nach Lebenspartner geschnappt und ist auf Kinder losgegangen) Abtretung an den Tierhof Straelen am 12.06.2009

Allgemeinuntersuchung:
Ernährungs- und Pflegezustand in Ordnung,
hochgradig abgewetzte Eckzähne
Geringgradige Koordinationsstörungen (Verzögerungen) im Bewegungsablauf, „Trippeln“, Zucken des Kopfes

Im Zwinger:
o starkes Bellen bei Annäherung,
o ; lässt sich nach Ansprache durch das Zwingergitter streicheln und mit Leckerbissen füttern
o beobachtet intensiv Frau Markau bei der Durchführung ihrer Arbeit in anderen Zwingern

Im Auslauf:
o Herr Krüger filmt das Verhalten des Hundes
o Labradortypische freundliche Annäherung an fremde Besucherin
o Lässt sich streicheln und mit Leckerbissen füttern
o Frau Retthofer führt den Hund in der Freifolge im Auslauf vor („Sitz“, „bei Fuß“, nimmt Leckerchen, Maul öffnen problemlos möglich,
Kommando „Nein“ wurde mittels geblocktem Leckerchen antrainiert)
o Mikrochip ablesen durch Unterzeichnern problemlos möglich
o weicht zurück bei ruckartig erhobener Hand (Frau Retthofer vermutet, dass „Merten“ möglicherweise geschlagen wurde)
o Immer wieder freundliche Annäherung mit dem Wunsch, gestreichelt zu werden
o Tauscht Spielzeug gegen Leckerchen
o Legt sich im Laufe des Gespräches in der Nähe der Menschen ab und wartet
o Springt nicht, wie von der Pflegestelle behauptet, unkontrolliert bei der Futterzubereitung an der Küchenanrichte hoch, sondern wartet
geduldig, bis ein Leckerbissen gereicht wird.

Zum Zeitpunkt der Überprüfung im Tierheim können keine Anze ichen eines aggressiven Verhaltens gegenüber Menschen festgestellt werden.

Keine Einstufung als „gefährlicher Hund“ im Sinne von § 3 LHG NRW

Die körperliche Beeinträchtigung (geringgradige Koordinationsstörungen) sollte im Rahmen einer erneuten tierärztlichen Untersuchung des Hundes nach entsprechender Eingewöhnungszeit abgeklärt werden.

Gez.: Dr. Heesen

Wir sind stolz auf Merten, hätten allerdings nichts anderes erwartet, denn nach wie vor, benimmt er sich völlig unauffällig.

Sollte die Technik es zulassen, werden wir in Kürze das schon erwähnte Video hier einstellen.

Mit tierlieben Grüßen

Euer Straelener Tierhofteam