Archiv für die ‘Zuhause gesucht – Gedanken vor der Adoption’ Kategorie

Unser Plädoyer für alte Hunde

Von admin am 9. Dezember 2010

Eine wichtige Voraussetzung für ein gemeinsames Zusammenleben mit einem alten Hund ist Rücksichtnahme und Verständnis.

Wurden wir vor Jahren noch von anderen Spaziergängern belächelt, weil unser Hund meinte, jedem Radfahrer hinterher zu laufen, zuckelt er heute nur noch müde hinterher. Klar, wenn er sich heute noch irgendeine Chance ausmalen würde…..dann vielleicht?!
Früher hat man Trödeleien unterbunden und erwartet, daß er sich der eigenen Geschwindigkeit anpaßt. Heute ist es halt umgekehrt. Wobei ich sagen muss, man bekommt viel mehr von der Natur mit! Hat also auch Vorteile….
Das Bewegungsbedürfnis ist etwas geringer geworden, na und!

Wenn wir vor Jahren noch mindestens 2 Stunden durch den Wald gefegt sind, nehmen wir heute erschreckend viele Abkürzungen in Anspruch. Auch haben sich gewisse Prioritäten geändert. Früher wurde jeder Spaziergänger von unserer älteren Rottweiler-Hündin wild kläffend am Gartenzaun entlang verfolgt. Heute gibt sie ihrem Rudel von der Terrasse Anweisungen, weil laufen nur um der Bewegung willen, ist nicht mehr ihr Ding. Merkt man demzufolge, das sein Hund nicht mehr so trittsicher ist und Probleme hat mitzuhalten, verzichtet man halt auf Radtouren oder ausgedehnte Wanderungen. Wir werden ja schließlich auch nicht jünger, und es muss nicht alles in einem Marathon enden. Ausreichende Verschnaufpausen kommen uns allen zu Gute….

Treppensteigen klappt jetzt auch nicht mehr so gut und irgendwann fällt den meisten alten Hunden der Einstieg ins Auto schwer. Deshalb sollte man seinem Senior den Ein-und Ausstieg nach Möglichkeit erleichtern, entweder durch sogenannte Einstiegshilfen oder kleine Hunde hat man sich mal schnell unter den Arm geklemmt.

Ältere Hunde leiden oft unter Übergewicht, doch jedes Kilo zuviel macht ihnen das Leben etwas schwieriger. Schlanke Hunde sind gesünder und leben länger, sagt man zumindest. Ältere Tiere benötigen jetzt weniger Futter als in jungen Jahren, allein schon durch die geringere Bewegung. Das größte Problem sind allerdings die Leckerlis in den verschiedensten Varianten. Komischerweise war und ist das Fressen immer schon die Lieblingsbeschäftigung unserer Hunde gewesen. Was natürlich auch keine Frage des Alters ist…
Aber neben Arthrose, HD und Rheuma sollte man sich schon überlegen, ob es nicht besser ist, sich dann den Bedürfnissen seines Tieres anzupassen. Leckerlis ja, aber in Maßen. Und dann bitte von der eigentlichen Futterration abgezogen.

Da unsere "Alten" hofiert werden, wie die Prinzen, ist eine geeignete Liegestelle Grundvoraussetzung. Natürlich an einer vor Zugluft geschützten Stelle. Weich und kuschelig sollte es außerdem sein. Unsere Hunde fanden die handelsüblichen, gemütlichen Kissen immer toll.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man den Zähnen seines Vierbeiners widmen. Denn alte Hunde haben meist Probleme damit. Regelmäßiges Zähneputzen ist naürlich empfehlenswert, jedoch in der Theorie immer hochgepriesen aber in der Praxis kaum umzusetzen. Hat zumindest bei meinen Hunden noch nie so wirklich funktioniert. Wir bevorzugen den alt bewährten Knochen für zwischendurch. Entsprechende Erkrankungen können durch eine Zahnsanierung bei ihrem Tierarzt behandelt werden. Welches heutzutage nichts außergewöhnliches mehr ist.

Mit einem älteren Hund sollte man sowieso regelmäßig Tierarztbesuche einplanen. So hat der Tierarzt die Möglichkeit z. B. Herzerkrankungen schon frühzeitig zu erkennen, bevor Probleme offensichtlich sind. Bei frühzeitiger Diagnose sind die Behandlungsmöglichkeiten für viele Krankheiten umso größer. Knubbel, Warzen, Knoten die meist harmlos sind, können somit unter Kontrolle gehalten werden und bei Krebsverdacht dementsprechend behandelt bzw. entfernt werden.

Unsere alten Hunde waren fast alle sehr wetterfühlig. Schon vor einem Wetterumschwung ging es ihnen nicht so besonders. Einige litten sehr unter ihren schlechten Knochen. Sie kamen dann nur noch schwer mit ihrem Po hoch. Andere wiederrum hatten Luftprobleme.
Hitze, besonders mit hoher Luftfeuchtigkeit raubte ihnen schon mal den Atem. Erst recht bei vorhandenen Herzproblemen, die auch die Lunge in Mitleidenschaft gezogen hat.
Dann nimmt man selbstverständlich Rücksicht darauf und dreht, wenn überhaupt nur eine kleine Runde. Am besten verlegt man Spaziergänge an heißen und schwülen Sommertagen in die kühlen Morgen-oder Abendstunden. Obwohl, auch bei Kälte treibt es die meisten Alten auch nicht aus dem Haus. Ein Plätzchen am Kamin! Oder schön eingekuschelt in einer Decke. Wer will da schon vors Loch??

Der Verlust von Hör-Sehkraft, Vergeßlichkeit oder Unsauberkeit sind häufig Begleiterscheinungen des Alters. Viele Hundehalter sind der Meinung, ihr Hund wäre schlicht und ergreifend ungehorsam. Und kommen gar nicht auf die Idee, daß sie von ihrem Hund nicht gesehen werden…Oft reagieren die Halter mit sogennannten Strafmaßnahmen, und wundern sich , das ihr Hund mit Angst und Verwirrtheit reagiert. Diese wird dann auch noch als "schlechtes Gewissen" des Hundes abgetan.
Manchmal bemerken Hundehalter einfach nicht, dass ihr Hund kaum noch sieht oder sogar vollkommen blind ist. Es muss ja nicht immer eine Linsentrübung vorliegen. Denn ihren Sehverlust kompensieren Hunde durch ihr Gehör oder ihren Geruchssinn. Unsere Hunde kamen mit diesen Handicaps immer erstaunlich gut zurecht. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl kann man auch einen Umzug oder eventuelle Möbelrückaktionen bewältigen.

Neben den, für uns feststellbaren, äußeren Veränderungen bemerken wir auch unbekannte Verhaltensmuster, die manchmal gar nicht so einfach zu erklären sind.
Altersdemenz kann für unsere Hunde auch etwas verwirrend sein. Manche alten Hunde benehmen sich dann so, als würden sie sich überhaupt nicht mehr auskennen. Sie stehen dann etwas orientierungslos da, und erinnern sich erst langsam an z. B. Wassernapfstandort oder ähnlichem. Wenn es sich jedoch bei ihrem Hund nur um eine kurzzeitige mangelnde Durchblutung des Gehirns handelt, kann ihr Tierarzt mit dem dementsprechenden Medikament sehr hilfreich sein.

Kommandos, die früher umgehend ausgeführt wurden, werden heute schon mal diskret überhört. Wenn keine gesundheitlichen Gründe dafür vorliegen ist meist der Halter selbst an der zögerlichen Ausführung schuld, weil er im Laufe der Jahre immer weniger von diesem gemeinen K-Wort zeigt. Nämlich der Konsequenz. So mancher Hund hat dann das Gefühl, daß eine Kommandoausführung sowieso in seinem Ermessen liegt.

Das Zusammenleben mit alten Hunden kann sehr schön sein. Man muss nur etwas sensibler und gefühlvoller im Umgang mit ihnen werden. Man muss auch die kleinen Zeichen deuten, um ihnen ihre manchmal bescheidenen Wünsche von den Augen ablesen zu können. Es macht auch immer wieder Spaß, wie sie es schaffen einen um den Finger zu wickeln. Und dann ist dann doch noch eine Bockwurst drin, oder 2 oder 3….!
Ich persönlich ziehe die Gegenwart älterer Herrschaften mittlerweile vor. Diese Ausgeglichenheit, diese Ruhe und Gelassenheit. Klar, keiner kann sich einem Welpen entziehen. Aber die Zeiten, der Granateneinschläge in unserem Garten, die angekauten Fernbedienungen……
Strümpfe, Schuhe alles an seinem Platz! Herrlich!

Viele Hundebesitzer möchten gar nicht wahrhaben, dass ihr 4-beiniger Freund nur ein Lebensabschnittsgefährte ist. Er wird sich leider irgendwann verabschieden….
Manche ignorieren leider auch einfach die Problematik des Alterns und Sterbens.
Immer in der Hoffnung, vielleicht stehen wir ja morgen auf und unser Hund ist friedlich eingeschlafen. Das kommt dann doch dem Wunschdenken sehr nah. Es kommt natürlich vor, aber meistens bei anderen.
Nur, kein Tier auf dieser Welt hat unseren Egoismus verdient, weil wir uns nicht von unserem Freund trennen wollen oder können.
Leider nehmen einige Tierhalter es hin, dass ein Tier sich quält oder nicht mehr kann, als ihm diesen Gnadendienst zu erweisen. Denn etwas anderes ist es manchmal nicht mehr.
Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Aber man sollte immer versuchen im Sinne des Tieres zu handeln.
Schmerz, Trauer oder Kummer nimmt einem niemand ab. Aber nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben, lässt einen nachts schlafen.

Wenn man mit seinen Tieren jeden Tag aufs Neue so lebt, als wäre es der erste und der letzte Tag zugleich,
" Wer will einem diese wunderbare Zeit nehmen!"